Betriebe und Gruppen

Protest zum VHS-Tag am 9. Juni 2016

Foto-Update

Protest zum VHS-Tag am 9. Juni 2016

Die VHS-Dozent*innen werden dramatisch unterbezahlt, erhalten immer nur
kurzfristige Honorarverträge und bekommen etwa 500 Euro Rente nach einem
Vollzeitarbeitsleben. Wir fordern einen Tarifvertrag!

Europa: Kontinent der Mehrsprachigkeit, der Integration durch
Sprachen, des Rechts auf Bildung. Doch Lehrkräfte, die Tag für
Tag an Volkshochschulen für diese Ziele der EU arbeiten, werden
dramatisch unterbezahlt.

Kundgebung am 9. Juni 2016
von 9:30 bis 12:00 zu Beginn des Deutschen Volkshochschultags
Berlin Congress Center
Alexanderstr. 11 

Lesen Sie hier weiter.

 

Pressemitteilung von ver.di und der GEW:

 

ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Landesbezirk Berlin-Brandenburg www.bb.verdi.de

 

P R E S S E I N F O R M A T I O N

 

Gemeinsame Presseerklärung von GEW und ver.di

 

GEW und ver.di fordern ein Ende der prekären Beschäftigung an den Volkshochschulen

 

Anlässlich des 14. Deutschen Volkshochschultages am 9. und 10 Juni 2016 in Berlin fordern ver.di Berlin-Brandenburg und die GEW BERLIN eine angemessene Bezahlung und soziale Absicherung von Dozent*innen an Volkshochschulen (VHS). Berliner VHS-Dozent*innen werden am 9. Juni zum Auftakt von 9:30 bis 12:00 Uhr vor dem Veranstaltungsort, dem Berliner Congresscenter (BCC), für ihre Ziele demonstrieren.

 

Etwa 650 Berliner VHS-Dozent*innen arbeiten hauptberuflich Tag für Tag in der Weiterbildung. Sie meistern 70 Prozent des Berliner VHS-Unterrichts. Im Deutschbereich sind sie für Menschen aus vielen Herkunftsländern mit unterschiedlichen Muttersprachen die ersten Ansprechpartner*innen für das neue Leben in Deutschland. Sie geben Alphabetisierungskurse und lehren Deutsch auf allen Sprachniveaus. Als Fremdsprachendozent*innen fungieren sie als Brücke zwischen den Kulturen. Als Lehrkräfte im Bereich IT oder Kunst sichern sie das Recht auf Weiterbildung und eröffnen den Teilnehmer*innen neue berufliche Perspektiven. Doch diese Aufgaben werden derzeit zu Lasten der VHS-Dozent*innen verwirklicht.

 

„Wir fordern eine Bezahlung wie für angestellte Lehrer*innen mit vergleichbarer Qualifikation. Entweder Festanstellung oder bei Freiberuflichkeit 60 Euro pro Unterrichtsstunde - plus Arbeitgeberzuschüsse für die Arbeitnehmerähnlichen. Wir sind keine Lehrer*innen zweiter Klasse“, so die Berliner VHS-Dozent*innen-Sprecherin Beate Strenge. Zudem verlangen die Dozent*innen gemeinsam mit den Gewerkschaften einen Tarifvertrag für die arbeitnehmerähnlichen Berliner Dozent*innen.

 

VHS-Dozent*innen verdienen miserabel –  mit der Aussicht auf Altersarmut. Trotz akademischer Qualifikation bleiben ihnen nach Abzügen bei Vollzeitarbeit nur rund 1.300 Euro pro Monat – und das in einem völlig rechtlosen Beschäftigungsverhältnis ohne Personalvertretungsrechte. Auch bei jahrzehntelanger Vollzeitarbeit werden sie immer nur freiberuflich mit kurzfristigen Honorarverträgen eingesetzt. Die Rente liegt nach über 35 Vollzeitjahren zwischen 400 und 700 Euro im Monat – und damit unter der Grundsicherung. Bei anderen Volkshochschulen im Bundesgebiet sieht es sogar noch deutlich schlechter aus.

 

„Die aktuell von der Bundesregierung geplante Honorarerhöhung für Integrationskurs-Dozent*innen von derzeit 23 Euro auf 35 Euro pro Unterrichtseinheit ist zwar auch ein Ergebnis jahrelanger Bemühungen von Gewerkschaften und Aktivist*innen, aber sie reicht nicht aus und ändert nichts an der grundsätzlich prekären Lage der Lehrenden“, so André Pollmann, ver.di Landesbezirksfachbereichsleiter im Bildungsbereich. Deutlich wird dies am Beispiel der Berliner arbeitnehmerähnlichen VHS-Dozent*innen. Denn diese erhalten schon jetzt knapp 33 Euro pro Unterrichtseinheit, was mit Vor- und Nachbereitung 1,5 Zeitstunden entspricht. Davon müssen sie als rentenversicherungspflichtige Freiberufler*innen den gesamten Sozialversicherungsanteil von Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie Steuern abführen und die Betriebskosten bezahlen. Damit ist nur die Altersarmut garantiert.

 

„Das jetzige System der Honorierung an den Volkshochschulen ist nicht mehr zeitgemäß. Es orientiert sich an Zeiten, in denen Studienräte nebenbei am Abend einen Kurs gaben, nicht aber an professionellen Erwachsenenbilder*innen, die von den Honoraren leben“, so Tom Erdmann, Vorsitzender der GEW BERLIN.

 

Die Situation der Lehrenden an den deutschen Volkshochschulen erfüllt zudem nicht annähernd die Kriterien der UNESCO-Charta für Lehrer*innen von 1966, die für Lehrkräfte aller Schultypen eine existenzsichernde Bezahlung sowie eine soziale Absicherung bei Krankheit, Mutterschaft und im Alter fordert.

 

Weitere Informationen:

Aktion der Berliner VHS-Dozent*innen, Donnerstag, 9. Juni, 9.30 bis 12 Uhr vor dem Berliner Congress Center bcc, Alexanderstraße, U- & S-Bahn Alexanderplatz. Fototermin: 09.30 bis 11 Uhr

 

Kontakt bei Rückfragen:

Beate Strenge, Berliner VHS-Dozent*innen-Vertretung, Allgemeine Infos unter www.volkshochschultag.de